So fing alles an

Für die heutige Generation ist es mittlerweile selbstverständlich geworden, dass die Fußballabteilungen des TV Ewersbach und des TSV Rittershausen gemeinsam als SG Dietzhölztal auftreten. Doch welche Mühen und Anstrengungen es gekostet haben muss, diese Verbindung ins Leben zu rufen, können gerade die jüngeren Leute mehrheitlich wahrscheinlich nicht einmal mehr erahnen.

Blicken wir zunächst zurück ins Jahr 1968: Der TV Ewersbach feierte sein 75-jähriges Vereinsjubiläum mit einer Sportwoche, in deren Rahmen auch ein nationales A-Jugend-Turnier (u.a. mit dem HSV) um den "Uwe-Seeler-Pokal" ausgerichtet wurde. Diese Sportwoche und das Turnier mit namhaften Mannschaften wurden in den folgenden Jahren zu einer beliebten und erfolgreichen Einrichtung. Um den heimischen Jugendfußball weiter zu fördern und aus einem größeren Spielerangebot schlagkräftige Jugendteams aufbauen zu können, nahm ein kleiner Personenkreis um Erwin Thielmann und Heinz Fritz Kontakt zu den Nachbarvereinen Steinbrücken, Weidelbach, Rittershausen und Mandeln zwecks Gründung einer Spielgemeinschaft auf. Der ansonsten alles beherrschende Lokalpatriotismus wurde von den Vereinsverantwortlichen zum ersten Mal beiseite geschoben und die Vereine TV Ewersbach, TSV Rittershausen, FC Weidelbach und TSG Mandeln (Steinbrücken war damals nicht interessiert) gründeten 1970 die erste JSG des Fußballkreises, die "Jugend-Spielgemeinschaft Oberes Dietzhölztal".

Die Seniorenteams des TV Ewersbach und des TSV Rittershausen spielten in den 50er und 60er Jahren meist mit mehr oder weniger großem Erfolg in der damaligen B-Klasse Nord. In der Saison 1968/69 war den Ewersbachern nach 1963 der zweite Aufstieg in die A-Klasse gelungen, pikanterweise mit nur zwei Punkten Vorsprung ausgerechnet vor den Rittershäusern, die ihrerseits diesen Schritt im Jahre 1959 bereits einmal geschafft hatten.

Der TSV Rittershausen, 1969 also knapp am Aufstieg gescheitert, brachte die folgende Saison mehr schlecht als recht über die Bühne und wurde schließlich gerade einmal Zwölfter. Enttäuschung hatte sich breitgemacht, einige Spieler hörten auch auf.

Der TV Ewersbach belegte nach dem Aufstieg in der A-Klasse immerhin einen achtbaren 8. Rang. Doch auch hier wurde die Spielerdecke langsam dünn, denn es fand ein Generationswechsel statt, viele ältere Spieler beendeten ihre Karriere.

Nach verschiedenen Überlegungen nahmen die beiden Vereine also mehr aus der Not heraus Kontakt zueinander auf, um eine mögliche Zusammenarbeit auszuloten, im Hinterkopf die gerade neu gegründete JSG. Man kann sich allerdings vorstellen, dass viele und lange Gespräche erforderlich waren, ehe die notwendigen Schritte auch offiziell eingeleitet wurden. Doch die vorhandenen Widerstände und Vorbehalte konnten beseitigt werden, und schon in der Saison 1970/71 startete man erstmals mit einer gemeinsamen Mannschaft in der A-Klasse. Oskar Schmitt wurde als TSV-Vorsitzender auch der erste Vorsitzende der neuen "Spielgemeinschaft Oberes Dietzhölztal".

Schmunzeln kann man heute nach vielen Jahren über manche Vereinbarung, die bei der Gründung getroffen wurde. So war anfangs beispielsweise festgelegt, dass in der SG-Mannschaft eine bestimmte Anzahl Ewersbacher und eine bestimmte Anzahl Rittershäuser Spieler zu stehen hätte, was natürlich vielen Ewersbachern sauer aufstieß. Denn schließlich hatten sie ja den Aufstieg in die A-Klasse geschafft und sprachen eingigen TSV-Akteuren die A-Liga-Tauglichkeit ab. Doch auch viele Rittershäuser Spieler fühlten sich untergebuttert und sahen für sich keine Perspektiven mehr.

Schon an diesem Beispiel ist zu sehen: Der Anfang war nicht leicht. Aber wie es meistens so ist, gewöhnte man sich rasch aneinander und spielte in den folgenden Jahren überwiegend eine gute Rolle in der A-Klasse. Die Spielgemeinschaft bewährte sich.

Die weitere Entwicklung

Ein absoluter Höhepunkt war nach über 20 gemeinsamen Jahren dann natürlich die Meisterschaft in der A-Liga und damit der Aufstieg in die neu eingeführte Bezirksoberliga Nord in der Saison 1990/91. Damit wurde der mutige Schritt von 1970 nachträglich und endgültig belohnt und die Gründungsväter durften sich vollends bestätigt fühlen. Die SG Dietzhölztal konnte über die Relegationsspiele (zuvor hatte Wolfgang Dietrich den Aufstiegstrainer Rudi Kepper abgelöst) die Klasse halten und mauserte sich über die Jahre von einem anfangs etwas belächelten zu einem kaum mehr wegzudenkenden Mitglied jener Spielklasse.

Nach dem knapp verpassten großen Wurf ein Jahr vorher war es dann in der Saison 1999/2000 so weit: Unter Coach Martin Mathes gelang in der Saison 1999/2000 über die Relegationsspiele der Aufstieg in die "große Fußballwelt" der Landesliga Mitte. Dort musste man allerdings in der Premierensaison reichlich Lehrgeld zahlen und den schönen Traum nach einem Jahr unterbrechen. Jedoch nicht lange, denn bereits 2001/2002 meldete sich die SG Dietzhölztal wieder zurück in der Landesliga und konnte im darauf folgenden Spieljahr in einer abermaligen und erneut nervenaufreibenden Relegationsrunde die Klasse halten.

Doch die Entwicklung der SG verlief in dieser Zeit nicht uneingeschränkt optimal, was lange Zeit durch den zweifellos vorhandenen sportlichen Erfolg übertüncht wurde. Erste Anzeichen des Zerfalls waren auch in den Jubeljahren bereits zu sehen.

Stellvertretend dafür mag die Entwicklung der in Konkurrenz spielenden 2. Mannschaft (Ib) stehen. Mit Trainer Norbert Peter führte der Weg von der C- über die B- (1996) in die A-Liga (1998), wo man sich etablierte und sogar (ab 1996/97) eine weitere Reservemannschaft stellen konnte. Während nun die 1.Mannschaft 2001/2002 den erneuten Landesliga-Aufstieg erkämpfen konnte, musste die Ib-Mannschaft in jener Saison den Abstieg in die B-Klasse hinnehmen, zudem wurde der Spielbetrieb der Reservemannschaft während der Runde eingestellt.

Der sportliche Niedergang setzte sich auch bald bei der 1. Mannschaft fort, obwohl zunächst noch im Jahr 2004 zum ersten Mal der Kreispokal ins Dietzhölztal geholt wurde. Nach dem erneuten Abstieg aus der Landesliga 2003/2004 konnte in der Folgesaison 2004/2005 nur durch größte Anstrengung (natürlich wieder Relegationsspiele) der Verbleib in der Bezirksoberliga gesichert werden, doch zwei weitere Abstiege in Folge ließen die SG Dietzhölztal im Jahr 2007 wieder dort landen, wo sie einst begann: In der A-Klasse.

Mit der Saison 2009/2010 erfolgte eine weitere Änderung. Nachdem die SG-Damen diesen Schritt bereits ein Jahr vorher gewagt hatten, zogen die Männer nach und schlossen sich mit dem Nachbarverein FC Weidelbach zusammen, so dass die neue Bezeichnung "SG Dietzhölztal/Weidelbach" lautet. Die 1. Mannschaft spielt in der A-Liga, das verjüngte Team hat sich in den letzten Jahren gefestigt und schickt sich an, in Zukunft eine gute Rolle zu spielen; eine 2. Mannschaft tritt in der B-Klasse Nord an.

Frauenfussball in der SG

Betrachtet man Ligazugehörigkeit und Erfolge, ist das sportliche Aushängeschild im oberen Dietzhölztal seit einigen Jahren die Frauenmannschaft der SG Dietzhölztal (seit 2008: "SG Dietzhölztal/Weidelbach"). Nachdem erste Gehversuche in der Saison 1986/87 relativ schnell wieder beendet waren, begannen fußballinteressierte junge Damen im Jahr 1999 erneut mit dem Training und nahmen ab der Spielzeit 2000/2001 auch wieder am Ligabetrieb teil. Aus einem anfangs großen Trainer-Pool kristallisierte sich in den letzten Jahren nach seinem Wechsel vom Männer-Spielausschuss dann Armin Schüler als hauptverantwortlicher Coach heraus.

Das große Engagement von Trainer(n) und Team wurde schnell belohnt: Einem knapp verpassten Aufstieg 2002/2003 folgte ein Jahr später der Meistertitel in der Bezirksliga A und somit der Aufstieg in die Bezirksoberliga, wo man sich kontinuierlich steigern konnte. Ab 2008 nahmen sogar zwei Frauenmannschaften am Spielbetrieb teil, die 1. Mannschaft feierte 2009 die Meisterschaft in der neuen Gruppenliga, verzichtete jedoch auf den Aufstieg. Die 2. Mannschaft belegte einen achtbaren Platz in der Kreisoberliga, wurde inzwischen aber leider wieder vom Spielbetrieb zurückgezogen. Die aufgeführten Erfolge, wozu auch seit 2006 das "Abo" auf den Kreispokaltitel gehört, belegen die Ausnahmestellung, die sich die Dietzhölztaler Frauen in den letzten Jahren in unserem Fußballkreis erarbeitet haben.

(M.W.S.)

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